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Katholisches LSBT+ Komitee fordert flächendeckende und vollumfängliche Umsetzung der Segenshandreichung von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Neu erschienener Band bietet Inspiration für Paare und Seelsorgende zur Gestaltung von Segensfeiern („Segen gibt der Liebe Kraft“)

Die im April 2025 von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) beschlossene Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ zeigt Wirkung. Das Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Wegs ergab, dass 13 von 22 Bistümern, die sich an der Auswertung beteiligten, die Einführung der Handreichung planen bzw. sie bereits umgesetzt haben. Eine Umfrage des Katholischen LSBT+ Komitees unter den Diözesen zeigte aber auch deutliche Unterschiede im Stand der Umsetzung. Daher sieht das Katholische LSBT+ Komitee weiteren dringlichen Handlungsbedarf.

Das neu erschienene Buch, ebenfalls mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft“, wurde herausgegeben von Stefan Diefenbach, Ulrich Hoffmann, Claudia Leide und Inge Zumsande, Fachkräften aus Seelsorge und Beratung. Es bietet zahlreiche Beispiele für Segensfeiern für Paare in unterschiedlichen Lebenssituationen, um endlich verstärkt ins segensreiche Segenshandeln zu kommen.

Blieb die im April 2025 beschlossene Handreichung bezüglich konkreter Gestaltungsformen von Segnungen noch im Allgemeinen, bietet das nun im Aschendorff-Verlag erschienene Buch konkrete Beispiele für Segensfeiern – von Segensgebeten über passende Bibelstellen und Liedvorschlägen bis hin zu Ideen zur Einbindung der Gäste, Freund*innen, Familien und Gemeinden. Die im Buch versammelten Beiträge gehen explizit auf unterschiedliche Paarkonstellationen und individuelle Situationen ein, etwa Paare, in denen nur ein*e Partner*in gläubig ist, Paare, in denen eine Person eine Geschlechtsangleichung durchlaufen hat, queere Paare und Patchwork-Familien. Ergänzt werden die konkreten Beispiele durch theologische Betrachtungen, etwa zur heilsamen Wirkung von Segen gerade für Menschen, die durch die Kirche Verletzungen erfahren haben.

Markus Gutfleisch, Co-Sprecher des Katholischen LSBT+ Komitees, zum neu erschienenen Band: „Die hier präsentierten Segensrituale bieten praxisnahe Inspiration für Paare und Seelsorgende. Sie machen Lust auf eine Kirche, in der Glaube freudvoll und zukunftsgerichtet gelebt wird. Die Autor*innen des Buchs „Segen gibt der Liebe Kraft“ zeigen in beeindruckender Weise, wie die Kirche die bisherige Reglementierung der Frohen Botschaft und das Verwehren eines würdigen Segen überwinden kann.“

Hendrik Johannemann, Co-Sprecher des Katholischen LSBT+ Komitees, hat den Umsetzungsstand der Segenshandreichung in den deutschen Diözesen recherchiert: „Insgesamt sehen wir einen großen Flickenteppich an unterschiedlichen Umsetzungsständen und Umsetzungsformen von Segnungen in den deutschen Diözesen – bis hin zu weitgehender Verweigerungshaltung. Einige Bistümer haben die Segenshandreichung offiziell in ihrem Amtsblatt veröffentlicht, andere sie ihren Seelsorger*innen empfohlen. Weitere Diözesen stellen eine Übereinstimmung mit ihrer ohnehin bestehenden pastoralen Praxis fest und sehen keinen weiteren Handlungsbedarf. Die Diözesen Augsburg, Eichstätt, Erfurt, Köln, Passau und Regensburg verweisen lediglich auf die römische Erklärung „Fiducia supplicans“, wollen die Handreichung selbst aber nicht umsetzen. Andere Diözesen beraten noch über den Umgang damit.“

Johannemann kommentiert: „Ein Flickenteppich unterschiedlichster Umsetzungsstände oder Nicht-Anwendungsformen lässt unsere Kirche unglaubwürdig und inkonsequent erscheinen. Es ist zutiefst unsynodal, wenn sich manche Entscheidungsträger offensichtlich nicht durch die Beschlüsse des Synodalen Wegs gebunden fühlen. Wir fordern eine flächendeckende und vollumfängliche Umsetzung der Segenshandreichung.“

Sera Renée Zentiks, Co-Sprecherin des Katholischen LSBT+ Komitees, ergänzt: „Wir kämpfen dafür, dass der Segen Gottes queeren Paaren überall offensteht, und zwar gespendet in einem würdigen Rahmen, der der Liebe Gottes und der Liebe der Paare angemessen ist. Den bloßen Verweis auf das, was der Vatikan mit der Erklärung Fiducia supplicans gestattet, empfinden wir als Ohrfeige. Ein Segen, der laut dem vatikanischem Dikasterium für die Glaubenslehre nur im Vorübergehen geschehen, nur wenige Sekunden dauern darf und zudem das Paar an seine angebliche Sündhaftigkeit erinnern soll, wird der Situation der Partner*innen, der Liebe und den in den Beziehungen gelebten Werten in keiner Weise gerecht.“

Das Katholische LSBT+ Komitee ist ein kirchenpolitisches Arbeitsbündnis von Katholik*innen aus verschiedenen christlichen LSBT+ Gruppen und setzt sich für die Gleichberechtigung von LSBT+ Personen in der römisch-katholischen Kirche ein. Zu den Mitgliedsgruppen zählen: Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e. V., Netzwerk katholischer Lesben e.V. (NkaL), AG Schwule Theologie e.V., Katholische Schwule Priestergruppen Deutschlands (KSPD), KjGay der KjG (Katholische junge Gemeinde), LesBiSchwule Gottesdienstgemeinschaften (LSGG), Initiative Queer Cusanus. Das Katholische LSBT+ Komitee ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen Deutschlands (AGKOD).

 

Pressekontakt:

Markus Gutfleisch, Co-Sprecher

Tel. +49 151 112 63 998

info@katholisch-lsbt.de

Hendrik Johannemann, Co-Sprecher

Tel. +49 152 5363 9359

 

„Segen gibt der Liebe Kraft“, erschienen am 01.04.2026 im Aschendorff Verlag Münster

https://www.aschendorff-buchverlag.de/detailview?no=25218